Ungefähr die Hälfte der 40 Millionen Haushalte in Deutschland hat einen Christbaum während der Weihnachtsfeiertage in der Wohnung stehen. Eine Tradition in Deutschland, die es schon lange gibt und die so schnell auch nicht aufgegeben wird. Im Gegenteil: 21,3 Millionen Bäume wurden 2019 allein in der Bundesrepublik verkauft. Auch die Pandemie wird diese Zahl wohl kaum schrumpfen lassen.

Woher wir diese Zahl und Infos haben? Während der Recherche zu diesem Artikel haben wir per Email beim einem der größten Christbaumunternehmen Europas, Silvatrees in Oberhaching, per Email eine Presseanfrage gestellt und dort auch wirklich ausführliche und interessante Antworten vom Geschäftsführer persönlich, Michael Bader, erhalten. 

Geschäftsführer von Silvatrees: Markus Schauer und Michael Bader

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Die Tannenbäume, die in unseren Wohnzimmern stehen, werden meistens im Alter von 8-12 Jahren geerntet. Zum Anbau von Christbäumen erhaltet ihr weiter unten im Artikel noch weitere Infos. In Deutschland sind es 30.000 bis 50.000 Hektar, die zur Ernte für Tannenbäume verwendet werden. Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit der größten Fläche (18.000 Hektar). Europaweit sind es um die 120.000 ha! In Deutschland gibt es rund 2.000 bis 4.000 Produzenten bzw. Vertriebe. Meist sehr kleine. Silvatrees gehört zu den größten, hat praktisch keine große Konkurrenz. “Wir sind eher alle Kollegen als Kontrahenten”, sagt Bader. Mit einem Durchschnittspreis von ca. 20€ pro Baum ergibt das ein Gesamtumsatz der Branche von 750 mio. Euro.

Trends abhängig von der Region

Der Trend geht dahin, dass viele erst gar nicht auf den Heiligen Abend warten und schon in der Adventszeit ihren Baum aufstellen. Zudem werden sie mehr und mehr schlicht geschmückt. Die Regionalität von Bäumen spielt seit Neuestem eine große Rolle. Steht der Supermarkt um die Ecke, wird da eingekauft. In Sachen Größe hat sich bei den Deutschen nicht viel geändert. Laut Bader ist der Klassiker immer noch zwischen 180 und 200 Meter groß. Auffällig seien die regionalen Unterscheide – vor allem zwischen den Bundesländern. Silvatrees gibt an, dass gerade in Berlin der Baum offen und mit großen Abständen zwischen den Astreihen bevorzugt wird, während wir Bayern eher den “buschigen und dichteren” lieben. 

Weg von der Fichte, hin zur Nordmanntanne

Warum dies so ist, kann Herr Bader detailliert erklären: “Dies hat damit zu tun, dass die Nordmanntanne die Nadeln besser hält und optisch wie ein „kuscheliger“ Weihnachtsbaum aussieht. Die Nadeln sind im Vergleich zur Fichte nicht so hart und man kann sich daran auch nicht stechen. Weiterhin hat die Nordmanntanne keine starke Harzbildung wie die Fichte, sodass der Boden im Haus geschützt wird.” Ein weiterer Trend sei aber, dass die Deutschen gerne einen getopften Baum vor der Adventszeit mit Lichterkette vor die Häuser stellen. Diese Bäume müssen natürlich wieder andere Voraussetzungen mitbringen. 

Der lange Weg zum Christbaum

Silvatrees als erfahrener Produzent von Christbäumen braucht ungefähr 10 Jahre für eine ausgewachsene Nordmanntanne, wenn sie mit einer Höhe von 180 bis 200 cm geerntet werden. Die Zucht ist aufwändig. Die Bäume werden nicht nur gedüngt und gepflegt sondern mit Wildbissschutz und Vögelstäbe vor Tieren geschützt. Profis schneiden die Bäume dann noch zurecht. “Insgesamt ist die Produktion schon sehr aufwändig, aber auch erfüllend”, so Bader. Ihr wollt erkennen, wie alt euer Baum im Wohnzimmer wirklich ist? Ganz einfach: Zählt die Astreihen. 

Die aufwändige Ernte von Christbäumen – Ausschnitt aus dem Portfolio von Silvatrees

Ist die Zucht von Christbäumen nachhaltig und umweltfreundlich?

Herr Bader gibt an, dass dem Unternehmen Silvatrees die Natur “sehr wichtig” ist. Und er hat auch gleich die richtigen Zahlen und Fakten parat: “Ein Hektar Weihnachtsbaumkultur bindet während der Wuchsphase von zehn Jahren bis zu 145 Tonnen Kohlenstoffdioxid und produziert gleichzeitig bis zu 105 Tonnen Sauerstoff. Viele Tierarten benötigen ein Umfeld mit halbhohem Bewuchs. Dieses Umfeld bieten aber weder Ackerflächen noch Wiesen oder Wälder. Viele dieser Tierarten findet man heute in Weihnachtsbaumkulturen. Zum Beispiel zeigt eine Untersuchung aus dem Sauerland, dass 80 % Brutpaare der Heidelerche ihren Nistplatz in Weihnachtsbaumkulturen haben. Die Christbaumproduktion in Deutschland erfolgt auf landwirtschaftlichen Flächen. Die Produktion unterliegt den strengen gesetzlichen Vorschriften für die Land- und Forstwirtschaft. Turnusmäßig werden die Betriebe durch die zuständigen Landesbehörden kontrolliert. Auch wir sind zertifiziert mit dem Naturland Zertifikat, Ökö-Zertifikat, MPS und Global-GAP.”

Christbaum-Kuriositäten

In den Arabischen Emirate steht der teuerste Christbaum der Welt mit einem Wert von 11 Millionen Dollar. Seattle/USA hält seit 1950 den Rekord für den größten je in einem Ort aufgestellten Christbaum mit einer Höhe von 67 Metern. In Belgien, genauer gesagt in Malmedy , stand 2010 ein Christbaum an dem 149 TAUSEND (!) Kerzen gleichzeitig brannten.

(Vivian Gross)

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