Einsamkeit. Wir alle fühlen uns mal einsam. Jeder nimmt sie anders wahr und es gibt unterschiedlichste Arten, wie sie sich auf den Menschen hinter ihr auswirkt. Hierbei sei gesagt, dass alleine sein und einsam sein komplett unterschiedliche Dinge sind. Viele Menschen können alleine glücklich sein, für noch mehr ist ein bisschen Zeit alleine am Wochenende notwendig, um es ein “richtiges” Wochenende nennen zu können. Egal, ob es ein Buch lesen auf dem Fensterahmen ist oder doch einfach nur alleine zocken – all das kann für Menschen Spaß machen. Aber Einsamkeit macht alleine sein zum Zwang, denn Einsamkeit kommt meistens mit einem Mangel an sozialen Kontakten. Wie kann es sein, dass es im Zeitalter der Vernetzung und Digitalisierung immer mehr Menschen angeben, sich durchaus oft einsam zu fühlen?

Einsamkeit und ihre Ursachen

Es ist mal wieder soweit. Endlich Wochenende und man hat Zeit für sich und eigentlich auch andere. Aber oft scheitert es dort. Die anderen fehlen. Oftmals realisiert man durch Orte wie Schule und Job nicht, welche sozialen Umfelder man außerhalb von der Berufung hast, vor allem dann wird vielen über einen langen Zeitraum klar, dass sie einsam sind. Doch was ist Einsamkeit und woher kommt sie? Das Gefühl der Einsamkeit kommt aus der Steinzeit, mag dumm klingen ist aber wahr. Als Urzeitmensch entschied die Zugehörigkeit zu anderen Gruppen bzw. damals Stämmen über Leben und Tod. Deswegen entwickelte unser Gehirn durch Jahre der Evolution den psychischen Schmerz, welcher sich heute hinter dem Gefühl der Einsamkeit versteckt. Der Schmerz sollte unsere Vorfahren auf falsche Taten und ein abstoßendes Verhalten seiner selbst aufmerksam machen. Dies sollte eine Ausgrenzung und dadurch schlussendlich den Tod in der Wildnis verhindern.

200.000 Jahre nach vorne gespult und wir befinden uns am heutigen Tage. Der psychische Schmerz ist mittlerweile ein enger Begleiter des menschlichen Sozialverständnisses geworden und wird oft heute noch von uns Menschen “benutzt”. Mittlerweile können Menschen wie kein anderes Wesen dieses Planeten Emotionen ihrer Mitmenschen einschätzen, der Überbegriff für das Entdecken und Identifizieren der Emotionen anderer nennt man Empathie. Sie ist eine Art Netzwerk, was dafür sorgt, dass Menschen in eine Art System leben, um niemanden hinter sich zu lassen und somit wie vor 200.000 Jahren unser soziales Überleben sichern soll. Jedoch kommt es immer wieder, teils mehrfach am Tag, hunderte mal in der Stunde zu Ausrutschern oder ganz einfach gesagt: Einsamkeit. Menschen sind sozial, dies macht sie menschlich allerdings auch verwundbar gegenüber Missständen. Smartphones, Telefone und Briefe machen die Menschheit so sozial verknüpft wie noch NIE zuvor. Trotz alldem fällt es vielen Menschen schwer, Anschluss zu finden, Freundschaften zu knüpfen oder Liebe zu empfinden. Dies löst den Schmerz, die Einsamkeit aus. Man reagiert oft defensiv auf dieses Gefühl, sagt Treffen ab, aus der Angst enttäuscht zu werden, interpretiert eigentlich positive Gespräche negativ, gar angreifend. Eine Spirale entsteht, in der man denkt, man müsste sich schützen vor dem “Bösen”, vor der Einsamkeit. Aber anstatt sich selbst mit der Öffnung gegenüber Menschen zu schützen, machen die meisten zu, um sich vor mehr Schmerz und Zurückweisung zu schützen. Spätestens dann fällt man aus dem System. Dann fühlt man sich einsam. Nicht selten führt dies zu Depressionen und schlussendlich Suizid.

Alleine sein. Ein Gefühl, das jeder kennt. Einsam fühlen sich auch immer mehr Foto: Yvonne Page/Lorenz Wunder

Einsamkeit ist kein Einzelfall.

Mehr als die Hälfte aller Deutschen sehen Einsamkeit als großes Problem, drei Viertel der Deutschen geben an, sich regelmäßig einsam zu fühlen. Mittlerweile ist Einsamkeit als Staatskrankheit offiziell angegeben und verbreitet sich rasend schnell. Internet, Autos, Trams, Flugzeuge, Smartphones – all das sollte den Menschen verbinden, doch nach all diesen Fortschritten scheitert das System nicht an Möglichkeiten der Kommunikation, sondern am Menschen. Einsamkeit wird nicht selten mit Mobbing anderer oder einer negativen Voreinstellung anderer bestraft. Die schon ausgeschlossene Person fühlt sich jetzt als Problem der Gesellschaft und nutzlos an. Depressionen sind oft ein Resultat dieser Einsamkeit. Auch Essenstörungen und Arbeitslosigkeit können durch diese Art von Selbsthass und mangelndem Akzeptanzgefühl entstehen. Ca. 10.000 Menschen starben im Jahr 2021 an Suizid. Fängt man diese Menschen nicht früh genug auf und hilft ihnen durch psychische Betreuung, so sehen viele oft keinen anderen Ausweg als die Selbsttötung. Vor allem im sozialen Bereich sollte also früh und genau aufgeklärt werden. Kindern sollte früh in einem Schulfach beigebracht werden, welches sich kindergerecht mit sozialen Problemen, Missverständnissen, Vorurteilen und der Ausgrenzung anderer, sprich Mobbing, befasst. Für Erwachsene und Jugendliche sollten Offenheit und Gespräche mit einem Therapeuten oder Freunden die oberste Priorität haben. Auch Arbeitgeber sollen für ein ausgeglichenes und willkommenes Arbeitsleben sorgen und bezahlten sozial benötigten Urlaub einfacher gewähren. Einsamkeit ist eine Krankheit, aber nur deswegen ist der Mensch hinter ihr nicht gleich krank oder anders. Man kann sie bekämpfen und in wohlhabenden Staaten wie Deutschland ist dies schon länger ein grundlegendes Problem, welches man bei der Wurzel nehmen sollte und bekämpfen sollte. Aber wie?

Mit viel Empathie und Verständnis.

Ein persönlicher Kampf mit der Einsamkeit.

Vor ab, es wird nun persönlich. Ich möchte nochmal zu verstehen geben, dass Einsamkeit normal und menschlich ist. Es ist normal, viele Freunde zu haben und sich trotzdem einsam zu fühlen. Es ist normal, Schwierigkeiten zu haben, Freunde zu finden. Es ist wichtig, eure ganz persönliche Spirale zu erkennen und den Halt zu finden. Sprich Menschen an, frage alte Freunde, ob denn noch Kontakt möglich sei, habe keine Angst vor Zurückweisung. Man erfährt und wird auch immer Zurückweisung und schlechte Menschen erfahren oder begegnen. Das ist leider Teil des Lebens. Aber vor allem dann sollte man diese gekonnt ignorieren und weitermachen. Sozial gesund zu sein, ist ein Luxus, jedoch kein teurer. Es gibt keine bestimmte Anzahl an Freunden, welche dich als sozial gesund definiert, genauso wenig bestimmt ein Partner darüber, ob man einsam oder sozial ist. Sozial ist, wenn du dich in deinem Umfeld sicher fühlst und Menschen hast, mit denen du dich über genau solche Themen austauschen kannst. Vielen reicht zum Beispiel auch nur die Familie, andere haben ihren beste(n) Freund oder Freundin, andere wiederum einen Partner. Sozial zu sein, bedeutet Sicherheit und Verständnis anderer und von sich selbst. Oft sind die Hände anderer auch schon ausgestreckt. Du hattest Spaß auf dem letzten Treffen mit ihm? Frag ihn, ob ihr das wiederholen wollt. Das Date lief besser als geplant, frage nach einem zweiten. Einsamkeit und ihren Teufelskreis bedeutet nicht selten, Mut zu beweisen.

Interpretiere Gespräche neu. War sie wirklich sauer auf dich? Oder einfach nur gestresst? Hat er dich ignoriert oder einfach nicht gesehen? Unterbreche den Kreis, frag nach, hake nach, wenn es sein muss. Nimm Optionen, wenn sich welche anbieten. Du bist nicht allein und es wird vielleicht auch schwer. Wenn es eine zu große Aufgabe ist, dies zu bewältigen, dann ist immer die Option der psychischen Hilfe offen. Therapie macht dich nicht schwach sondern stark. Es erfordert viel Mut einzugestehen, dass etwas nicht stimmt und es danach zu bekämpfen. Auch mit professioneller Hilfe.

Über dieses Thema könnte man noch viel mehr schreiben, aber am Ende ist es immer sehr individuell und deshalb schwer zusammenzufassen.

Videoempfehlung:

Sehenswertes Video von “kurzgesagt” zum Thema Einsamkeit

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(Vivian Gross)

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