Sophie Baur gehört zu den besten Handball-Torhüterinnen in Bayern und geht noch dazu auf die Realschule im Blauen Land (9. Klasse). Als erst zweite Handballerin in der Geschichte des Landkreises Garmisch-Partenkirchen hat sie Anfang April an einem dreitätigen Sichtungslehrgang des Deutschen Handballbundes (DHB) in Warendorf teilgenommen und ist damit Anwärterin auf einen Platz im erweiterten Nationalkader der U16. Wie es ihr ergangen ist, was eine gute Handballtorhüterin ausmacht und was sie in Zukunft vorhat, verrät sie in einem exklusiven Interview mit dem Team vom Blog im Blauen Land.

blogimblauenland.de: Sophie, seit wann spielst du schon Handball?

Sophie Baur: Puh, da muss ich überlegen. Seit sieben oder acht Jahren.

blogimblauenland.de: Wie bist du dazu gekommen?

Sophie Baur: Sportlich war ich zuerst bei den Leichtathleten. Irgendwann wollte ich etwas Anderes, etwas Neues ausprobieren und bin zum Handball. Seit den Minis bin ich nun beim TSV Murnau.

blogimblauenland: Wie kommt man auf die irre Idee, sich ausgerechnet in ein Handballtor zu stellen?

Sophie Baur: Es ist sicherlich nicht so, dass ich keine Angst vor dem Ball hätte. Aber es macht einfach unglaublich Spaß. Irgendwann hat mich jemand ins Tor gestellt, auch wenn ich schon auf dem Feld spielen wollte. Am Ende bin ich im Tor geblieben.

blogimblauenland.de: Als Anwärterin zur Nationalmannschaft muss man wohl ganz schön viel trainieren, oder?

Sophie Baur: Das ist immer unterschiedlich. In der Vorbereitung auf eine Saison habe ich praktisch jeden Tag Training. Athletik, Ausdauer, Ball. Neben dem Vereinstraining gibt es noch Spiele und Auswahlmaßnahmen. Vier bis fünf Mal die Woche ist normal. Die Länge der Trainingseinheiten unterscheidet sich aber.

Sophie in Aktion auf einem Lehrgang in der Sportschule Oberhaching Foto: Bayerischer Handball-Verband

blogimblauenland.de: Gab es schon mal Situationen, in denen du bereut hast, so viel trainieren zu müssen?

Sophie Baur: Früher waren es vor allem die Kindergeburtstage, die man hat ausfallen lassen, weil eben ein Training anstand. Ich denke mir schon: Schade. Aber irgendwann wird es sich lohnen und ich mache Handball einfach zu gern, als dass ich es bereuen würde. So eine Nominierung für eine DHB-Sichtung ist dann der Lohn für die ganze harte Arbeit.

blogimblauenland: Hatte Corona Auswirkungen auf deinen Sportalltag?

Sophie Baur: Am Anfang war der Sport einfach tot. Alle waren zu Hause und keiner wusste, wie es weitergehen soll. Es ist alleine, zu Hause einfach schwer, sich selbst für ein Training zu motivieren. Dann kam das Online-Training und ein Sondertraining mit Kaderathleten in Schwabmünchen. Irgendwann habe ich immer Wege gefunden, sportlich tätig zu sein. Als Auswahlspielerin habe ich das Glück, überhaupt trainieren zu dürfen. Andere dürfen schon seit Monaten praktisch nicht in die Halle. Das ist bitter.

blogimblauenland.de: Du warst Anfang April auf einer DHB-Sichtung, was nur ganz wenigen Spielerinnen gestattet ist. Wie lief es?

Sophie Baur: Ich war schon sehr aufgeregt. Wir hatten fast keine Ahnung, was uns da erwartet in diesen drei Tagen. Nicht immer war ich zu 100 % mit mir zufrieden. Allerdings weiß ich auch nicht, wie die Trainer mich gesehen haben. Man ärgert sich über jeden Fehler, den man gemacht hat.

blogimblauenland.de: Hattest du auf der Sichtung Konkurrenz im Tor?

Sophie Baur: Coronabedingt wurde die Sichtung in diesem Jahr aufgeteilt. In meiner Gruppe waren wir nur zwei Torhüterinnen. Die andere war schon auf sehr hohem Niveau. Es war einfach mal eine Erfahrung mit einer zusammen zu trainieren, die im selben Alter auf demselben Niveau ist.

blogimblauenland.de: Was macht denn einen richtig guten Handballtorwart aus?

Sophie Baur: Torwart zu sein, ist viel mehr als nur Bälle halten und den Kasten sauber zu halten. Die Abwehr ist für den Torwart eine große Hilfe. Der Torwart ist aber auch eine große Stütze für sein Team, er dirigiert, feuert an und kann mit guten Paraden auch den Gegner zur Verzweiflung bringen.

blogimblauenland.de: Handball ist der zweitbeliebste Mannschaftssport in Deutschland. Was macht Handball für dich zur geilsten Sportart auf diesem Planeten?

Sophie Baur: Das ist ganz schwer zu beschreiben. Es ist dieses Gefühl, dass du die ganze Zeit hast, wenn du auf dem Parkett stehst. Vor allem wenn eine Partie körperlich wird, viel Anstrengung erfordert, wird unglaublich viel Energie frei. Man kann es kaum beschreiben, man muss einfach selber mal auf dem Parkett gestanden sein.

blogimblauenland.de: Wie bekommst du Sport, Hobbys, Freunde und nicht zuletzt die Schule unter einen Hut?

Sophie Baur: Ich hatte gerade in der Coronazeit das Glück, dass mich meine Mutter nach Schwabmünchen fahren konnte, damit ich dort am Kadertraining wöchentlich teilnehmen konnte. Insgesamt war es schon anstrengend, aber eben auch eine Ehre für mich, überhaupt dabei sein zu dürfen. Natürlich könnte ich weniger trainieren, weniger tun. Aber wenn ich etwas erreichen will, dann muss man dafür auch etwas investieren. Ins Training zu kommen, immer alles zu geben, zeigt auch Respekt gegenüber dem Trainer.

blogimblauenland.de: Wie sieht es um deine Zukunftspläne fernab des Sports aus?

Sophie Baur: Wenn ich ehrlich bin: Ich weiß noch gar nichts. Ich weiß ja auch nicht, ob es mit dem Sport je irgendetwas wird, auch wenn mein Ziel irgendwann die 1. oder 2. Bundesliga ist. Eine Möglichkeit wäre sicherlich, weiter auf die Schule zu gehen. Wenn, dann kommt für mich da vor allem FOS in Frage.

blogimblauenland: Falls es mit dem Profisport nicht klappt, hast du noch andere berufliche Pläne?

Sophie Baur: Ich würde einfach super gerne etwas mit Menschen machen, bei der Polizei arbeiten oder auch im Krankenhaus. Gerade bei der Polizei wäre auch mit einem entsprechenden Kaderstatus Profisport möglich. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt.

blogimblauenland.de: Vielen Dank, Sophie, für dieses Interview.

Sophie Baur: Ich danke ebenfalls!

(Dieses Interview führten Tomas Mühlbauer, Simon Walser und Hannes Bräu)

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