Am vergangenen Mittwoch (10.02.2021) wurde in der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossen, den Lockdown bis 7. März 2021 zu verlängern. Doch wie es mit den Schulen und Kitas weiter geht, konnte an diesem Tag noch nicht geklärt werden. Diese Entscheidung bleibt aufgrund des Föderalismus in Deutschland den einzelnen Bundesländern überlassen.

Nun ist bekannt, dass in Bayern voraussichtlich am 22. Februar die Grund- und Förderschulen wie auch sämtliche Abschlussklassen wieder zurück an die Schule dürfen. Jedoch nicht als ganze Klasse, sondern im Wechselunterricht. Wie genau das die einzelnen Schulen handhaben, ist dann wieder eine andere Sache. Die einzige Voraussetzung für Wechselunterricht ist eine Inzidenz unter 100 – aktuell liegen fast alle Landkreise in Oberbayern darunter. Für alle anderen gilt: Ihr lernt erst einmal zu Hause – egal ob Distanzlernen oder Distanzunterricht. Der Plan ist, dass Vorabschlussklassen sowie fünfte und sechste Klassen als nächstes an die Schulen zurückkehren. Wann das genau passiert, steht noch in den Sternen. Wenn wir ganz ehrlich sind: Keiner von uns glaubt wirklich daran, dass das vor den Osterferien noch passieren wird. Das ist leider die harte Realität im Zeichen der Pandemie.

Auch die Teststrategie an den Schulen (gab es die überhaupt irgendwann mal?) soll intensiviert werden. Sobald Schnelltests in Deutschland zugelassen sind (Deutschland ist eines der Länder, in denen der Einsatz solcher Tests sehr akribisch geprüft wird), sollen jeder Lehrkraft und jedem Schüler zwei Tests pro Woche zur Verfügung stehen, um möglichst schnell infizierte der Schulfamilie ausfindig zu machen und die Schulen gerade durch die Mutationen des Corona-Viruses nicht zu Superspreader-Events zu machen.

(Stand 11.02.2021, 18:17 Uhr)

Schulpolitik in Coronazeiten: Leere Versprechen und ganz viele Floskeln

Am Ende können wir uns aber zur aktuellen Entwicklung einen eigenen Kommentar nicht verkneifen. In der Politik wird immer erwähnt, wie wichtig Jugendliche, Kinder, Kleinkinder und auch Familien als Ganzes sind. Die Realität sieht leider immer anders aus. Auch nach fast einem Jahr Corona wird und wurde der überwiegend große Teil der Pädagogen kaum bis gar nicht regelmäßig getestet. Man hat es in einem Jahr nicht geschafft, die Schulen “coronasicher” zu machen. Der Aufwand, der hierfür erforderlich gewesen wäre, wäre im Vergleich zu den Möglichkeiten, die sich daraus ergäben (flächendeckender Präsenzunterricht zumindest im Wechselbetrieb), minimal gewesen. Auch wenn es, wenn man nur die Zahlen nimmt (und dann auch andere Länder wie Frankreich und Irland als Vergleichsmaßstab dazu nimmt), keine Anzeichen dafür gibt, dass Schulen und Kinder Pandemietreiber sind, wird von Virologen und Politikern gerne gesagt, man schütze alle, indem jetzt auch alle mal zu Hause bleiben. Dass die Eltern aber weiterhin im öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit pendeln, dort mit minimalsten Infektionsschutz oft zusammengepfercht in Büros oder Industriehallen Kontakte pflegen, die auch Kinder, die eben im “Home Office” arbeiten, dann haben (inkl. Virus), daran wird nicht gedacht. Nicht ein Politiker hätte sich verpflichtend für Home Office am Arbeitsblatt ausgesprochen. Die Schulen hingegen sind schnell zu, obwohl man gerade hier im Sommer 2020 dafür hätte sorgen können, dass die wirklich als letzte geschlossen werden. Dass sie jetzt “die ersten sind, die geöffnet werden”, ist eine Floskel, die kein Schüler so mehr hören kann und will. Die Folgen dieser Politik sind noch gar nicht absehbar, vielleicht auch gar nicht in Zahlen zu messen. Betriebsschäden und Insolvenzen sind schnell sichtbar, abgehängte Jugendliche und Kinder, die am Distanzunterricht nicht wirklich teilnehmen können, sind erst eine “Beule” in der Statistik, später dann aber ein Verlust, der sich gar nicht mehr in Zahlen darstellen lässt und der unwiederbringbar verloren ist.

(Text Florian Gilg und Hannes Bräu)

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