Zwischen Schneesturm und Frühlingsgefühlen Anfang Mai 2021 und angesichts geschlossener Skilifte, die aufgrund des Corona-Wahnsinns in dieser Saison nicht geöffnet haben und zu guter Letzt auch aufgrund des Zeitgeistes bzw. des immer weiter voranschreitenden Klimawandels, stellt sich für viele im Alpenraum tatsächlich die Frage, die man sich eigentlich nie stellen wollte: Hat der Skisport überhaupt noch eine Zukunft, eine Daseinsberechtigung? Vor einigen Jahren wäre man nur im Ansatz dieser Frage in einem Gespräch abgewürgt worden: “Spinnst du denn ganz. Natürlich. Skifahren is halt des Leiwandste.” Einige Jahre später ist die Antwort auf die Frage gar nicht mehr so leicht. Längst gibt es selbst unter Lehrkräften Befürworter, die den Sinn eines “Skilagers” in der 7. Jahrgangsstufe in Frage stellen. Zu aufwendig, zu teuer, immer weniger Schüler, die sich wirklich sportlich betätigen, also Ski fahren oder Snowboarden wollen in dieser Woche. Zeit also, sich wieder auf die guten Seiten des alpinen Skifahrens zu vergewissern. Anbei fünf faustdicke Gründe, warum Skifahren auch heute noch zeitgemäß und zukunftsträchtig ist.

Skifahren ist mehr Sport als Aprés-Ski

Wie oft haben wir in dieser Corona-Zeit Politiker gehört, die Skifahren als “böse” und unverträglich mit der Pandemie beschrieben haben. Natürlich ist klar, dass der österreichische Skiort “Ischgl” das Virus über Europa verbreitet hat. Ischgl stand für “Aprés-Ski” in seiner extremsten Form. Ein Bildband beschreibt neuerdings die Auswüchse dieser wilden Partys. Der Durchschnittsskifahrer aber denkt beim Skifahren an Sport. Und Skifahren ist ein anspruchsvoller Sport, der einem koordinativ und konditionell sehr viel abfordert.

Skilager der 7. Klassen: Immer wieder ein Erlebnis! Foto: Archiv

Skifahren heißt, sich an der frischen Luft zu bewegen

Zumindest unser Gefühl sagt, dass eine Folge der Corona-Pandemie sein wird, dass die Kinder mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen als draußen an der frischen Luft. Die Gründe sind vielschichtig. Skifahren ist ein Outdoor-Sport, der noch dazu ein Element der Natur benötigt, um überhaupt ausgeführt zu werden (Ja, es gibt auch Kunstschnee…). Bewegung an der frischen Luft führt nachgewiesener Weise dazu, dass man fit bleibt und auch das Folgerisiko einer Coronainfektion stark senkt. Skifahren könnte also nicht das Problem der Pandemie sein, sondern vielleicht sogar die Lösung.

Skifahren ist abwechslungsreich, Anarchie und Freiheit

Im engeren Sinn versteht der Laie unter Skifahren, irgendwie mit zwei Brettern den Berg runterzufahren. Dabei ist das Spektrum der Varianten im Skifahren groß. Vom Anfänger, der irgendwie den Berg runterkommt, bis zum Abfahrtsfahrer bei den Profis, hin zum sehr stark gehypten Skitourengeher im Gelände. Für jeden ist etwas dabei, jeder kann sich seine Linie suchen. Das freie Betretungsrecht der Natur ermöglicht dem Skifahrer ein Stück weit Anarchie aber auch Freiheit, selbstbestimmt die Linie zu wählen, die man möchte.

Autor Hannes Bräu auf einer Skitour mit Rast auf der Meilerhütte (2400 Meter) Foto: Privat

Skifahren ist Teamwork

Skifahren wird zu oft in den Medien als Einzelsport begriffen. Dabei ist es gerade das Unterwegssein in der Gruppe, das so viel Spaß macht. Am besten wird dieses Gefühl auf einer Skitour deutlich, bei der nicht nur die Planung der Tour im Gelände, die gemeinsame Rast und gegenseitige Hilfestellungen in anspruchsvollem Gelände Teamwork erfordern. Auch der Wille, Abenteuer gemeinsam zu erleben, ist in dieser Sportart tief verankert. Wer schon einmal nach einer Tagestour zusammen mit Freunden den Abend in einer Hütte verbracht hat, der weiß, was damit gemeint ist.

“Das freie Betretungsrecht der Natur ermöglicht dem Skifahrer ein Stück weit Anarchie aber auch Freiheit, selbstbestimmt die Linie zu wählen, die man möchte.”

(Hannes Bräu)

Skifahren sensibilisiert für die Natur

Wer viel mit Ski unterwegs ist, der bewegt sich draußen in der Natur und wird gezwungenermaßen mit den Folgen des Klimawandels und der Zerbrechlichkeit alles Irdischen konfrontiert. Oder anders: Wer sich draußen bewegt, lernt, die Natur zu schätzen und darauf aufzupassen. Einen besseren Heimat- und Sachkunde oder Biologieunterricht gibt es wohl kaum.

Am Ende werden viele den Klimawandel als unumgängliche Hürde für die weitere Zukunft des Skifahrens ins Feld führen. Vor mehr als 30 Jahren gab es diese Diskussionen schon. Und es stimmt: Die Winter sind unter 1500 Höhenmeter in den Alpen in den vergangenen 10 Jahren merklich schlechter geworden. Kaum ein Winter, der über 100 kalte Tage zusammenbringt. Die Zukunft des Skifahrens steht tatsächlich auf wackeligen Beinen. Am Ende wird das Zugspitzplatt wohl als einziges schneesicheres Skigebiet Deutschlands übrig bleiben. Eine Entwicklung, gegen die sich der Mensch – zumindest kurzfristig – kaum stemmen kann. Und doch wird es sie noch geben, die Winter, die viel Schnee bringen und ganz viel Spaß auf zwei Brettern. Vielleicht darf man Skifahren in Zukunft als Luxusgut betrachten. Eine Sportart, die zwar nicht ganz ausstirbt, aber immer noch existiert und viele Kinder und Jugendliche nach wie vor begeistert, raus in die Natur zieht, weg vom Bildschirm. Und wenn am Ende kein Schnee mehr liegt, die letzten Bretter im Keller verstauben, bleibt uns immer noch dieser wahnsinnig geniale Hit von Wolfang Ambros. Skifoan is hoit immer no des Leiwandste….

Wolfgang Ambros – Skifoan

(Hannes Bräu)

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