Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 geht in ihre heiße Phase. Die K.O.-Runde hat es richtig in sich. Millionen Zuschauer fiebern auch in Deutschland und trotz der späten Anpfiffzeiten vor den Bildschirmen mit. Auffällig aber auch: Die Stadien in den USA, Kanada und Mexiko waren und sind immer gut gefüllt, wenn nicht ausverkauft. So manch einer glaubte fast, dass das Bild in den Übertragungen mit KI generiert wurde, bedenkt man die Berichterstattung über den Verkauf der WM-Tickets im Vorfeld. Kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft erhoben sogar Gerichte aus New York Anklage gegen die Fifa, die beim Verkauf der Tickets getrickst haben sollen, um die schon teuren Eintritte nochmals teurer zu machen. Zu den Ticketpreisen gesellen sich dann auch noch horrende Summen in Bezug auf die Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder Parkplätze. Die WM ist auch für alle deutschen Fans ein teures Vergnügen gewesen. Dabei stellt sich die Frage, was ein Live-Erlebnis im Stadion angesichts der so professionellen Fernsehübertragungen überhaupt noch bringt. Ein Magenta-Abo gegen den Flug nach Übersee – so könnte man es zusammenfassen.

Darum sind WM-Tickets immer noch begehrt und die Spiele meist ausverkauft

Für ein Stadionerlebnis spricht immer noch die Live-Atmosphäre. Wer schon mal den norwegischen „Signature“-Move mit zehntausenden Skandinaviern gesehen hat, bei dem das „ro“ durch die Reihen vibriert, der weiß, was es heißt, vor Ort zu sein. Zudem ist es immer noch viel Geld wert, sein eigenes Team mit eigenen Stars im Stadion live zu erleben. Nicht wenige Deutsche sind vor Ort und wollen Undav und Co. anfeuern. Viele verbinden die Reise nach Amerika aber nur teilweise mit Fußball, dabei gibt es einige Europäer, die einen Ausflug ins Stadion auch gleich mit einem Urlaub verbinden. Auch teuer, aber sicher ein Erlebnis.

Der norwegische „Signature“-Move, das Wikinger-Rudern bei der WM 2026 Quelle: Youtube

Ticketpreise zu horrenden Preisen

Klar, gegen einen WM-Besuch sprechen die aktuellen Ticketpreise. Interessant ist sicher, dass viele Fans und Fanorganisationen die Preise schon im Vorfeld kritisierten, weil die FIFA als Organisator mit variablen Preisen arbeitete. Auf der anderen Seite gab es u.a. in Vorrundenspielen einige tausend freie Plätze pro Spiel. Kein gutes Bild. Wenn man bei den Preisen wirklich genau hinsieht, dann fangen die bei Vorrundenspielen in der Kategorie 1 bei 400 Euro an. Bis zum Finale werden vierstellige Beträge erreicht. Wenn man sehr, sehr früh geplant hätte, um ein Gesamtpaket für die deutschen Spiele inklusive Flug zu bekommen, dann wäre zumindest der Besuch der Gruppenspiele realistisch gewesen. Bereits die K.O-Spiele sind nicht mehr erschwinglich, ein Ticket fürs Halbfinale oder Finale einfach schwer zu rechtfertigen, außer es ist wohl ein lang gehegter Traum. Für das Finale kann die Reise schnell auf 6.000–15.000 € oder mehr kommen, insbesondere wenn man Flug, Hotel und ein Finalticket berücksichtigt. Die teuersten Finaltickets liegen inzwischen bei mehreren Tausend US-Dollar. 

Beispielhafte Preisentwicklung für WM-Tickets mit deutscher Beteiligung Quelle: Tagesschau

Fußball-Preise als Vorbild für andere Sportarten?

Bleibt nur die Hoffnung, dass bei der nächsten WM in Europa die Tickets mit Nebenkosten wieder moderate Züge annehmen, denn die Preise von Fußballtickets wirken sich auch auf andere Sportarten aus. Der Fußball zeigt, was Fans zahlen, wenn sie ihre eigene Mannschaft im Stadion sehen wollen, da schauen Veranstalter anderer Sport-Events genau hin. So kann es durchaus sein, dass wir im kommenden Jahr bei den großen Rennen des Ski-Weltcups, Tennisturnieren oder stark nachgefragten Final 4-Turnieren im Handball bald ganz andere Preise sehen, die gemessen am Fifa-Standard zwar günstig sind, im Vergleich zu den Tickets in früheren Zeit aber stark verteuert wurden.

Unser Eindruck: Für einen normalen Fan ist ein einzelnes Gruppenspiel oder Achtelfinale oft der beste Kompromiss. Mit etwas früher Planung könntest du für etwa 2.000–3.000 € insgesamt eine sehr gute WM-Reise machen. Das Finale ist dagegen eher ein Luxus-Erlebnis. Eines, das sich vielleicht doch der ein oder andere Fan leisten wird. Der große Teil deutscher Fußballfans wird das Live-Spektakel jedoch und wenn überhaupt vor dem Fernseher verfolgen.

(Text von Sebastian Süßkind und Hannes Bräu)