An dieser Stelle müsste mal wieder einer dieser Artikel stehen, der sich ganz sachlich, auf Fakten basierend gegen die jährliche Wiederholung der Wintersportwoche ausspricht. Wie real der Klimawandel ist, der Schnee knapp wird, Skifahren allgemein viel zu teuer ist und am besten: Wie könnt ihr das unseren Kindern antun?

Ja, das könnte hier über viele Seiten stehen. Könnte. Wird es aber nicht. Auch im Schuljahr 2025/26 hat die Realschule im Blauen Land wieder ihre traditionelle Wintersportwoche mit den 7. Jahrgangsstufen abgehalten. Und es waren Tage, die die Kinder nicht so schnell vergessen. Tage, die in den Reden der Abschlussklassen auftauchen, wenn sie sich von der Schule verabschieden und die letzten 10 Jahre Revue passieren lassen. Warum? Die Antwort auf diese Frage braucht Erfahrung und Zeit. Wer einmal im Skilager als Lehrkraft war, der kann noch nicht nachvollziehen, dass diese Woche seit vielen Jahrzehnten an vielen Schulen (nicht nur in Bayern) Generationen an SchülerInnen geprägt hat. Man mag sich an seine eigene Zeit erinnern, an die vielleicht ersten Erfahrungen mit Skiern unter den Füßen. Das erste Mal wirklich alleine von zu Hause weg. Neu entstandene Freundschaften, einmalige Erlebnisse – und das in der dunkelsten Zeit des Jahres: dem Winter. Skifahren und generell Wintersport fordern Bewegung an der frischen Luft, ein wenig Ausdauer, auch Überwindung in einer Jahreszeit, in der sich viele über Monate gerne zu Hause verkriechen und auf den Frühling hoffen.

Schüler der Realschule im Blauen Land mit Lehrer Hannes Bräu beim Besuch der Freeride World Tour in Fieberbrunn Foto: Bräu

Vielleicht trägt das Skilager bei dem ein oder anderen dazu bei, sich auch im Winter nach draußen zu begeben, die Kälte, den Schnee schätzen zu lernen und der Einsamkeit zu entfliehen. Man muss viele Jahre dabei sein, um dann auch zu sehen, was wirklich mit Schülerinnen und Schülern passiert, wenn sie hier dabei sind. Viele wachsen über sich hinaus, auf der Hinfahrt sitzen sie noch alleine irgendwo im Bus, verkriechen sich, wollen Mama, Papa und Geschwister anrufen. Bei der Rückfahrt sitzt man bestens gelaunt im Bus, hat neue Freundschaften geknüpft, ist in der Klasse vielleicht gerade erst angekommen. Wieder andere testen ihre Skills im Skifahren, wollen springen, Rennen fahren, Grenzen austesten und das Skigebiet unter die Lupe nehmen. Wer weiß, der ein oder andere wird wieder kommen nach Saalbach-Hinterglemm – vielleicht alleine, mit Familie, mit eigenen Kindern. Winterurlaub ist teuer, klar, aber es ist Bewegung, eine Art Skilager im Kleinformat. Jetzt können viele sagen: „Das kann man alles auch in einer Sommersportwoche erfahren, erleben.“ Ja, aber eben nicht im Winter und schon gar nicht bei einer Tätigkeit, die herausfordert, die neue Synapsen im Hirn der jungen Menschen bildet, dabei Motorik und Abwehrkräfte verbessert. Kinder können nie zu viele neue Erfahrungen machen, nie zu viel Sport treiben. Die Wintersportwoche ist am Ende für viele wie „heavy metal“ – geht ins Ohr, schreit dich an, bleibt hängen. Wäre am Ende dann noch das leidige Geld. Landein, landaus hört man: Skisport ist zu teuer, nicht finanzierbar, Luxus. Ja, im Vergleich zu anderen Sportarten ist das sicherlich der Fall. Man muss sich aber auch klarmachen, dass wir seit Jahren den Preis für das Skilager konstant halten. Skisport kostet Geld – auch darüber hinaus in der Freizeit. Man muss sich nur bewusst werden, für was wir in unserem Alltag wirklich Geld ausgeben. Ein Großteil dieser Ausgaben landet im Topf „Konsum“. Sport gehört da auch dazu. Eltern, Erwachsene müssen sich die Frage stellen, wo ihr Geld gut aufgehoben ist, wie sie ihre Prioritäten setzen. Dann, ja dann relativiert sich manchmal die Frage, ob das Geld doch nicht so schlecht im Wintersport angelegt ist.

Die Wintersportwochen 2025/26 haben uns traumhafte und meist sehr sonnige Tage in Saalbach beschert. Neben den Saliterer Hof wurden wir im März in der Jugendpension Müllauerhof einquartiert. Beide Locations bieten alles, was man mit großen Schülergruppen braucht, um eine wirklich stressfreie Woche zu verbringen, die allen Beteiligten (inkl. Lehrkräften) auch Spaß machen. Auch deshalb hoffen wir, noch viele Jahre bei unseren österreichischen Nachbarn zu Gast zu sein.

(Hannes Bräu)