Man sah’s den jungen Mädchen und Buben an. Hinter ihnen lag eine Nacht ohne Schlaf, aber mit einem Auftrag: Sie hatten ihren Maibaum vor einer weiteren Peinlichkeit zu beschützen. Vor drei Jahren war der Murnauer Realschule im Blauen Land doch tatsächlich der Maibaum abhanden gekommen. Gestohlen von einer Gruppe um einen ehemaligen Schüler. Auch diesmal gab’s Versuche, das 20-Meter-Stangerl zu stibitzen. Allerdings hielten die Zehntklässler tapfer dagegen und schafften den Baum schließlich in aller Herrgottsfrühe zur Schule.

Gewiss begeht man auch an anderen Schulen südlich von München diese Tradition. Allerdings: „In dem Ausmaß kenne ich keine“, sagte Lehrer Markus Saida. Praktisch alles haben Lehrer und Schüler in Eigenregie geleistet: Schepsen, Bewachen, Schilder gestalten und natürlich das Aufstellen. Unterstützung kam von der Familie Huber aus Rieden, die drei Kinder an der Schule hat, sowie von der Zimmerei von Florian Albrecht aus Ohlstadt, deren Tochter in Murnau zur Schule geht. „Unfassbarer Einsatz“, lobte Saida.

Ein Gemeinschaftswerk: Das Aufstellen des Baumes durch SchülerInnen, LehrerInnen und der gesamten Schulfamilie an der Realschule im Blauen Land Foto: Geigl

Gemeinsam mit einigen Kollegen hatten sie vor Jahren die zündende Idee. „Am Anfang war’s ein Bäumchen, jetzt ist es ein ganzes Schulfest“, sagt der Lehrer. Hunderte Kinder und ihre Eltern kamen zum großen Auflauf, auf dem ganzen Gelände gab’s Spiele und Attraktionen, Essen und Unterhaltung. Die schuleigene Blaskapelle spielte, die Trachtler-Madln und -Buam aus sämtlichen Klassen führten den Bandltanz auf – und weil das Wetter mitmachte, ging es wieder bis in den Abend hinein.

(Gastbeitrag von Andreas Mayr/Murnauer Tagblatt)