Aus den Lautsprechern dröhnt eine Stimme: „Bitte alle U7-Fahrer an den Start!“ Die Straße ist abgesperrt, Parkplätze sind kaum zu bekommen. Volksfeststimmung. Das ist der erste Gedanke, der einen fest durch den Kopf geht, wenn man zum ersten Mal den „Beira Wurz Cup“, das offizielle MTB-Rennen für Kinder und Jugendliche des SC Benediktbeuren/Bichl, besucht.

Bei der 12. Auflage Ende September 2026 herrscht bestes Rennwetter. Nicht zu warm, die Sonne scheint, die Strecke ist in sehr gutem Zustand. Überall fröhliche Eltern, die mit Sonnenbrillen nicht nur ihren Nachwuchs unterstützen, sondern auch die ein oder andere entspannte Minute genießen, bevor es schon für die Kleinsten an den Start geht. Der örtliche Skiclub sorgt dabei mit vielen Ehrenamtlichen für die Bewirtung. Die Stimmung ist gut, sehr gut sogar.

Startfeld der U9 bei der 12. Ausgabe des Beira Wurz Cup Fotos: Bräu

Veranstaltungen wie den „Beira Wurz Cup“ kann man getrost als eine der letzten Bastionen des ehrenamtlichen Wettbewerbsports bezeichnen. Die Hürden für die Teilnahme sind niedrig: Eigenes Bike, Lust sich zu bewegen, vielleicht sich auch mit anderen zu messen und nur ein geringes Startgeld. Das, was man hierfür bekommt, ist aber unbezahlbar. Gute Stimmung an der Strecke, Eltern und Zuschauer allgemein, die die kleinen Rennfahrer anfeuern, Entertainment am Mikrofon, Musik, die Laune macht und, das wird immer unterschätzt, ehrliche Kulinarik. Um ganz genau zu sein: Der Skiclub macht vielleicht die besten Pommes der Region – gut gewürzt, gutes Format. Die Folge: eine lange Schlange am Pommes-Stand und sicherlich viel Geld, dass in Benediktbeuren wieder in die Jugend investiert wird. In einer Zeit, in der Menschen immer mehr ihre individuelle Freizeit genießen, sich nicht mehr binden wollen, gibt es immer noch Ehrenamtliche, die Wochen ein Event für den Kindersport planen, Gleichgesinnte sammeln und dann sicher stolz auf ihr Endergebnis sein können.

Denn was die Kinder auf der Strecke zeigen und leisten, mit welcher Leidenschaft sie den einen Hügel mit dem Fahrrad erklimmen, wie rasant sie dann auch abwärts fahren und stolz über die Ziellinie fast schon schweben – das, genau das sind die Erlebnisse, die am Ende nicht nur diesen Sonntag sondern vielleicht auch das Leben prägen, an die man sich erinnert, aus denen man lernt. Dazu gab es Bewegung an der frischen Luft, etwas Teamspirit und sicher Momente, die traurig, furchteinflößend oder einfach nur spannend waren. Wie im richtigen Leben, live, nicht vor dem Bildschirm, Erlebnisse, von denen man auch seinen Klassenkameraden erzählen kann, wenn die Frage mal wieder aufkommt, was man am Wochenende so gemacht hätte.

Dabei ist es gar nicht so entscheidend, wer am Ende gewinnt. Man muss schon zugeben, diejenigen, die bei „Wurz Cup“ ganz vorne mitfahren, die sind schon fast kleine „Profis“ – auch oft am Outfit erkennbar: Enge Radlklamotten, professioneller Helm mit Brille. Aber das gehört dazu. Das ganze Spektrum von Fahrradniveaus ist dabei und auch in Sachen Strecken hat man sich in Benediktbeuren richtig Mühe gegeben. Die Kleinsten finden eine abwechslungsreiche, nicht überfordernde Strecke vor, während die U15 schon richtig ihr Können unter Beweis stellen musste. Da geht es schon mal richtig bergauf, dann über Stock und Stein, durch ein Flussbett und dann wieder über Wurzeln nach unten. Es ist auch die offizielle Strecke der Bayernliga, die auch hier Station macht, und die hat es richtig in sich.

Egal ob auf oder neben dem Podium: Überall gab es strahlende Gesichert Foto: Bräu

Am Ende des Tages zählt bei der Siegerehrung natürlich auch eine Platzierung. Wettbewerbssport fordert Leistung und muss diese auch bewerten. Ein Ergebnis muss man nicht wie in Benediktbeuren von 1 bis zum Ende durchsagen, kann man aber. Wenn du aber auf Platz 33 von 33 bist, dann kann das schon mal demotivierend sein. An diesem Tag aber gibt es fast nur fröhliche Gesichter. Jeder erhält eine Medaille, eine Urkunde und ein wirklich tolles Säckchen mit kleinen Überraschungen. So bleibt dieses Radrennen wirklich allen in positiver Erinnerung.

Mehr zum „Beira Wurz Cup“ gibt es auf der Website des SC Benediktbeuren/Bichl: https://www.tsvbb.de/unsere-sportarten/mountainbike

(Hannes Bräu)