Es gibt zwei Sorten von Erwachsenen: Die, die ohnehin schon ohne ihren Kaffee morgens nicht mal ihren eigenen Namen buchstabieren können und die, die einen Energydrink anschauen, als wären sie eine tickende chemische Zeitbombe. Klar, laut ihnen ist Kaffee „natürlich“, aber wenn Jugendliche einen Energydrink trinken? „Um Gottes Willen! Pure Chemie! Hört auf euch selbst zu vergiften!“

Na klar, weil der Unterschied zwischen Koffein im Kaffee und Koffein im Energydrink offensichtlich darin besteht, dass Letzteres in einer bunten Dose kommt…

Pure Chemie? Ja klar…

Manchmal hat man das Gefühl, Leute glauben, in Energydrinks schwimmen kleine Chemie-Dämonen, die nur darauf warten einen umzubringen. Spoiler: Tun sie nicht. Wenn man mal genauer hinschaut, besteht so ein Energydrink aus…

Wasser (sehr lebensgefährlich), Koffeine (exakt der Stoff ohne den 90% der Erwachsenen Morgens nicht aufstehen können), B-Vitamine (furchtbar chemisch), Taurin (klingt wirklich gefährlich oder? Sind allerdings nur Aminosäuren, die unser Körper auch selbst produziert) und Aromen (ja, Sachen sollen halt auch schmecken. Doch es sind genau die Süßungsmittel und Aromen die man in so gut wie jedem Softdrink findet). Die einzige Sache, die diese „Chemie“ ungesund macht, wäre der hohe Zuckeranteil, der aber auch in den meisten Säften und Sodas vertreten ist und somit kein Problem darstellt, welches nur auf Energydrinks bezogen werden kann.

Klingt weniger nach einer „Giftmischung“ und mehr nach, „jemand wollte dir Energy und ein bisschen Geschmack in eine Dose packen“.

Wenn das alles „höchstgefährliche Chemie“ ist, dann ist eine Scheibe Brot auch ein atomarer Sprengkopf.

Warum Jugendliche „das Gift aus der Dose“ trinken? Ganz einfach. Sie leben im Jahr 2025

Erwachsene tun immer so, als hätten Jugendliche „gar kein Grund so müde zu sein“. Natürlich nicht. Zwischen frühem Aufstehen, langen Schultagen, Nachmittagsunterricht, Hausaufgaben, Social Media, Nebenjobs und manchmal einfach nur dem Versuch, nicht komplett zusammenzufallen, kommt man irgendwann an den Punkt an dem man sagt, „Eine Dose Energie in Flüssigform wäre jetzt echt praktisch…“

Und bevor jemand sagt, „Ihr solltet einfach früher schlafen!“ Danke für den Tipp, den wir schon seit der fünften Klasse jede Woche hören. Aber manchmal schafft man halt nicht alle Verpflichtungen in der Zeitspanne von 10 Stunden.

Energiedrinks geben uns keine Superkräfte. Aber sie geben uns manchmal das, was wir grade brauchen

Natürlich löst eine Dose keinen Mathetest, keinen Schulstress und keinen Schlafmangel. Aber sie kann beim Lernen wach halten, beim Sport pushen, beim Zocken die Konzentration verlängern und einfach schmecken. Dass nennt man praktisch.

Bunt, süß und Wachmacher – Enerydrinks sind schon länger der „Endgegner“ vieler Eltern Foto: Pixabay

Das eigentliche Problem: Erwachsene haben Angst vor Dingen die bunt sind

Wenn Energydrinks in beigen Papierbechern verkauft werden würden, gefolgt von einem leichten Aroma in „Herbstlaub und Steuerrückerstattung“ hätten Erwachsene null Probleme damit. Aber weil die Dosen cool aussehen, denken sie sofort an Chemielabor, Explosionen und Gesundheitsuntergang.

Dabei trinken die selben Erwachsenen drei Kaffee pro Tag, Cola light zum Abendessen und Limonaden, deren Farbstoffe vermutlich auf dem Mars leuchten würden. Aber ja, unsere Drinks sind gefährlich.

Verantwortung? Ja. Dämonisierung? Nein.

Es geht niemandem darum zu sagen, „trinkt fünf Monster-Dosen am Tag“. Zu viel ist nie gut. Von gar nichts. Aber eine gelegentliche Dose ist keine „Jugendgefährdung“, sondern einfach nur ein modernes Getränk, dass Jugendliche bewusst konsumieren. Und je weniger Erwachsene panisch rumschreien, desto eher hören Jugendliche auch zu, wenn es um sinnvollen Konsum, Grenzen und Risiken geht. Vertrauen statt Drama (funktioniert viel besser).

Kurz gesagt:

Energy Drinks sind kein böser Teufelstrank. Sie sind keine Biowaffe und sie sind auch kein Wunderelixier. Sie sind Getränke mit Koffein, Zucker und etwas Geschmack und für viele Jugendliche ein praktisches Mittel um den Alltag zu erleichtern. Also liebe Erwachsene:

Bevor ihr die nächste Panikrede haltet, denkt daran, wie ihr selbst ohne euren Kaffee drauf seid. Wir trinken quasi nur die jugendliche Version davon.

(Sophia Scheffel)