Dass die Bundesrepublik Deutschland in Europa als Zögling ins Sachen Demokratie gilt und erst seit Ende des 2. Weltkriegs über ein Grundgesetz und damit eine parlamentarische Demokratie verfügt, die Vorbild für viele neue Demokratien auf diesem Planeten ist, kann man sich angesichts der demokratischen Struktur und Kultur im Land kaum vorstellen. Große Koalition, Ampel oder doch Jamaika? Nach der Bundestageswahl steht fest: Viele unserer Nachbarländer und internationalen Partner können und werden uns angesichts dieses Ergebnisses beneiden. Selten gab es so viele Möglichkeiten, zu regieren. Dabei ist diese Entwicklung schon lange absehbar. Ein Blick auf die U18-Wahlen reicht hier, um zukünftige Entwicklung zu erahnen.

Corona hat hier dazu geführt, dass die Wahl als reine Briefwahl durchgeführt wurde. Vom 10. bis zum 17. September 2021 hatten die SchülerInnen Zeit, ihre Stimme an einem offiziellen Wahllokal abgeben konnten. Die Realschule im Blauen Land war eine der wenigen Schulen im Landkreis, die ihren SchülerInnen und Schülern ein offizielles Wahllokal anbot. Der Weg zur Urne war kurz, die Lust zu wählen umso größer. Insgesamt haben 940 Kinder im gesamten Landkreis ihre Stimme bei der U18-Wahl im Herbst abgegeben. Knapp 20 Prozent der stimmberechtigten WählerInnen. Dass unsere Schule mit fast 500 Stimmabgaben das Ergebnis ein wenig verfälschte, war dann wohl der Organisation unserer Wahl geschuldet.

Motivierte SchülerInnen bei der Abgabe ihrer Wahlzettel an der RS Murnau

Seitdem unsere Realschule bei der U18-Wahl mitmacht, hatte sich folgendes Konzept bewährt. Einige Tage vor der Wahl erhielten alle SchülerInnen durch ihre Klassenleiter eine Einführungsstunde zur Bundestagswahl. Präsentation und Konzept stammten von Sozialkundelehrer Hannes Bräu. Am Wahltag wurden die SchülerInnen zur Wahlurne begleitet, die auch an der Wahl teilnehmen wollten. Manche stimmten per Briefwahl ab, manche wollten in der Urne ihr Kreuz machen. Richtiges “Wahlfeeling” also. Alle Ergebnisse nach Region gelistet findet ihr auf www.stimmlos-gap.de.

Für die Staffelseeregion ergab sich das altbewährte Ergebnis: Grün vor schwarz vor rot:

Ergebnismeldung auf www.stimmlos-gap.de

GAP und Ammertal ziehen nach

Schon immer war die Staffelseeregion ein Vorreiter, was die Wählbarkeit der GRÜNEN angeht. Jetzt zieht Garmisch-Partenkirchen nach. Auch im Ammertal stand Grün erstmals vor schwarz. Eine Ausnahme bildet immer noch das Isartal, in dem, wenn es zur Bundeswahl kommen würde, die CSU nach wie vor “herrschen” würde. Auffällig aber auch: Zweistärkste Kraft unterm Karwendel ist ausgerechnet die AfD geworden. Unter jungen WählerInnen sicherlich ein Novum, weil das Klientel alles andere als aus jungen Menschen besteht.

Werbung für ein Wahllokal an der RS Murnau

U18-Wahl als Indiz für zukünftige Wahlergebnisse auf Bundesebene?

Bleibt noch zu analysieren, inwiefern die U18-Wahl zukünftige Wahlausgänge prophezeien kann? Seit jeher sind unter jungen WählerInnen die Tierschutzpartie, die GRÜNEN und viele alternative Parteien, die unter “Sonstiges” geführt werden, stark im Trend. Interessant wäre eine Aufschlüsselung des Wahlergebnisses nach Alter an den jeweiligen Schularten. Erst dann könnte man vielleicht Verbindungen ziehen zwischen aktuellem Wählerverhalten, Jungwählern und der U18-Wahl. Schade, dass es derartige Aufschlüsselungen nicht gibt.

U18-Wahl wird nicht richtig beworben

Schade war aus unserer Sicht auch, dass die U18-Wahl in diesem Jahr nicht wirklich bei den jungen Leuten beworben wurde. Ein kleiner Zeitungsartikel, kaum Plakate und Flyer. Will man in Zukunft vielleicht an die 30 % Wahlbeteiligung erreichen, muss man sich einfach kreative Aktionen einfallen lassen. So ist die Wahl in diesem Jahr im Vergleich zu den Jahren davor ein wenig untergegangen.

Mehr zur U18-Wahl aus den vergangenen Jahren gibt es auch in unserer 17. Folge des Podcasts “Hörsturz”.

(Hannes Bräu)

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