Hat nicht jeder Lust auf ein Jahr Freizeit, ausschlafen und einfach nur entspannen? Für Angestellte im öffentlichen Dienst und mittlerweile auch in vielen Privatunternehmen ist dies möglich: Das Zauberwort nennt sich “Sabbatical”. Dabei handelt es sich um unbezahlten Sonderurlaub. In der Regel dauert das Sabbatjahr zwischen einem Monat und einem Jahr, allerdings kann man das Sabbatjahr beliebig oft wiederholen, solange der Arbeitgeber einverstanden ist und ein neuer Vertrag festgehalten wird. 2020 wurde das Sabbatjahr in Bayern für die meisten Lehrer abgeschafft, allerdings hat unsere Lehrerin Frau Eisenmann vor 4 Jahren das Sabbatical schon beantragt und letztes Jahr hat sie dies durchgeführt. Ausgerechnet im Coronajahr. Wir vom Blog haben sie exklusiv zum Interview getroffen.

blogimblauenland.de: Guten Tag Frau Eisenmann. Weswegen haben sie ein Sabbatical beantragt?

Frau Eisenmann: Wenn ich ganz ehrlich bin, war es eine persönliche Krise. Ich hatte viele Ideen, nachdem ich studiert hatte, was ich arbeiten könnte. Ich hätte mir auch noch viele andere Dinge vorstellen können, die ich hätte arbeiten können und hatte auch viele Interessen, was ich sonst noch in meinem Leben anstellen könnte. Dann bin ich allerdings ziemlich schnell Lehrerin geworden und ich hab auch, ehrlich gesagt, nicht so schnell damit gerechnet und wollte eigentlich auch noch mal in andere Jobs reinzuschnuppern oder an einem sozialen Hilfsprojekt mitzumachen, was dann allerdings durch Corona nicht möglich war. Der andere Grund war, weil ich mir gedacht habe, dass ich auch sehr gerne verreise und wenn es die Möglichkeit gibt, so etwas zu beantragen, warum sollte man es dann nicht nutzen?

blogimblauenland.de: Hat Corona ihre Pläne sehr gefährdet oder ganz zerstört?

Frau Eisenmann: Corona hat meine Pläne auf jeden Fall komplett verändert aber ich würde sagen: nicht im negativen Sinn. Ich glaube, es hängt auch immer davon ab, wie man das selber auch sieht! Wenn man offen ist für andere Ziele, dann ist das kein Problem. Und so hab ich das persönlich auch gesehen. Ich wollte ursprünglich nach Nepal und nach Neuseeland und das ist mit der Corona Situation nicht möglich gewesen. Dann dachte ich mir, dass ich ja trotzdem ein freies Jahr vor mir habe und daraus möchte ich jetzt auch was machen. Man darf nicht so starr an Plänen festhalten, man muss sich halt dann überlegen, was kann ich denn machen? Und daher hab ich dann andere Sachen gemacht die möglich waren.

blogimblauenland.de: Was haben sie dann konkret, auch wenn es Einschränkungen gab, in ihrem Sabbatjahr gemacht?

Frau Eisenmann: Meine 1. Tour war mit meinem kleinen, ausgebauten Bus, damit man hinten drinnen schlafen kann. Damit bin ich nach Portugal gefahren. Anfangs war ich nicht alleine. Da war noch eine ‘Freundin dabei. Wir haben uns Zeit gelassen, um uns die Route genau anzuschauen und haben daher zwei Wochen nach Portugal gebraucht mit Zwischenstopp in Frankreich und der Schweiz. In Portugal bin ich dann ein bisschen geblieben, während meine Freundin nach Hause flog. Dort war ich dann im Surfcamp und dann bin ich irgendwann alleine wieder zurückgefahren. Die zweite Tour hab ich dann ein paar Besuche in Deutschland gemacht und dann war ich noch einen ganzen Monat auf Fuerteventura, als hier in Deutschland Lockdown war. Außerdem hab ich noch eine Yoga-Lehrer-Ausbildung im Frühjahr begonnen und danach war ich noch auf den Azoren, in Portugal, und noch in Italien.

blogimblauenland.de: War es schwer, ein Sabbatjahr zu machen? –

Frau Eisenmann: Zu dem Zeitpunkt, zu dem ich das Sabbatjahr beantragt habe, da war das noch möglich. Aktuell wird dies in Bayern jedoch nicht mehr genehmigt. Bis 2028 wird es auch bei den Realschullehrern kein Sabbatical mehr geben. Wir bewegen uns auf einen sehr schweren Lehrermangel zu und jede Lehrkraft wird gebraucht.

blogimblauenland.de: Haben sie vor, noch ein Sabbatjahr zu machen?

Frau Eisenmann: Wenn es möglich wäre, würde ich es definitiv nochmal machen.

blogimblauenland.de: Gab es Momente in ihrem Sabbatjahr, in dem sie, vielleicht auch kurzzeitig nur, eine Arbeit annehmen mussten?

Frau Eisenmann: Nein, allerdings hatte ich ursprünglich die Idee, irgendwo bei einem Hilfsprojekt mitzuarbeiten. Ich wollte auch eventuell etwas in Richtung Umweltschutz oder etwas Soziales zu machen. Und hatte auch auf einer Website (www.volunteerworld.com) nach solchen Hilfsorganisationen geschaut, allerdings war nichts passendes dabei. Und auch durch Corona ist die Sache nicht wirklich einfacher geworden.

blogimblauenland.de: Können sie anderen Lehrern das Sabbatical weiter empfehlen?

Frau Eisenmann: Ja, auf jeden fall! Ich glaube es ist nicht für jeden etwas und man muss das auch wirklich wollen. Man muss definitiv der Typ dazu sein, dass einem in dem Jahr auch nicht langweilig wird.

Frau Eisenmann beim coronakonformen Interview zu ihrem Sabbatical

blogimblauenland.de: Mussten sie lange warten, bis sie die Zustimmung zum Sabbatical bekommen haben?

Frau Eisenmann: Nein, zuerst hat Herr Havelka (Anmerkung: Realschuldirektor der staatlichen Realschule im Blauen Land) es mir hier an der Schule genehmigt und es auch eigentlich sofort erlaubt. Dann wurde es ans Ministerium geschickt und es hat dann ein paar Wochen gedauert, bis das Ministerium mir dann einen Brief geschickt hat, dass es genehmigt wurde.

blogimblauenland.de: Wie lange haben sie sich aufs Sabbatical vorbereitet?

Frau Eisenmann: Eigentlich schon ziemlich früh, kurz nachdem ich es beantragt hatte, habe ich mir schon überlegt, was ich denn dann eigentlich machen will. Die Pläne waren dann aber wegen Corona wieder etwas anders. Allerdings bin ich dann auch immer mehr in die Spontanität gekommen, weil man konnte immer nur kurzfristig entscheiden, was man als Nächstes machen möchte. Ich fand aber, dass das gut war, nicht immer so viel durchzuplanen, weil man sonst vergisst , immer auf schöne, spontane Dinge einzugehen.”

blogimblauenland.de: Hat es sich insgesamt für sie gelohnt?

Frau Eisenmann: Auf jeden Fall! Es war ein Jahr das mich um viele Erfahrungen reicher gemacht hat.

blogimblauenland.de: Wie sind sie eigentlich auf das Sabbatical gekommen?

Frau Eisenmann: Ich habe recherchiert und hatte eigentlich geplant, mich beurlauben zu lassen für ein Jahr, um noch ein paar Erfahrungen zu machen in anderen Bereichen oder umzugucken, wie ich mich evtl. auch beruflich weiterbilden kann. Dann hab ich im Ministerium angerufen und dort nachgefragt und hab dann ziemlich schnell festgestellt, dass das beurlauben gar nicht so eine gute Variante ist, weil man da gar kein Geld bekommt. Durch das System des Sabbaticals kann man vorher noch Geld ansparen und man hat dann in dem Jahr auch noch Geld. Ich wusste von einem Kollegen aus Bad Aibling, dass man so ein Sabbatical machen kann. Dadurch bin ich am Ende zum Entschluss gekommen, das Sabbatical anstatt einer Beurlaubung zu machen.”

(Das Interview wurde geführt von: Yvonne Page und Celina Schulze)

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